Auf dem legendären Kystriksveien Fv17
entlang der Nordmeerküste Richtung Süden
Nach 4 Tagen verlassen wir schweren Herzens Beverlys Hill, das Velfjord Panorama Caravan Camp. Nicht nur Conny und ich waren gerne hier, auch Odin hat mit Rocko, Øivinds ständigen Begleiter und Hüter des Anwesens, Freundschaft geschlossen. Wir wurden hier unglaublich freundlich und entgegenkommend aufgenommen. Jede Hilfe wurde uns zuteil. Man hatte nach wenigen Minuten des Kennenlernens bereits Gefühl, als kenne man sich schon jahrelang. Wir, die gebürtigen Ossis und die, doch eigentlich als verschlossenen geltenden Norweger, passen zusammen wie der Topf auf den Deckel.
Wir werden diesen Platz und diese Menschen, wenn unsere Gesundheit es in den nächsten Jahren weiterhin erlaubt, mit Sicherheit nicht das letzte Mal besucht haben.
Wir werden wieder reinschauen.
Danke noch einmal für Alles, Ihr beiden!
Bleibt gesund und vor allem, bleibt wie Ihr seid!
Während unserer Weiterfahrt gehen uns viele Gedanken durch den Kopf. Einesteils die Erinnerungen an die kritischen Momente, deren Ausgang im Augenblick als sie passierten, völlig unklar war. Im gleichen Atemzug laufen aber auch die glücklichen Begegnungen mit unseren Helfern vor unseren inneren Augen ab. Wir sind schließlich nicht nur unterwegs, um schöne Gegenden zu erkunden und zu erleben, sondern auch und vielleicht sogar noch mehr, um auf unserer Reise Menschen kennenzulernen. Da keiner von uns beiden des Norwegischen, Schwedischen oder ganz und gar des Finnischen mächtig ist, gestaltet sich die sprachliche Kontaktaufnahme nicht ganz so einfach. Über ein spontanes Lächeln, ein zustimmendes Nicken oder einen Daumen nach oben, ist jedoch schnell und ohne Sprachkenntnisse Kontakt hergestellt. Dank der Sprachgewandtheit der meisten Nordländer, was deren sicheres Englisch und in vielen Fällen sogar die deutsche Sprache betrifft, ist der nächste Schritt schnell getan. Ähnliches erlebt man natürlich auch bei uns in Deutschland. Hier gibt es keine Sprachbarriere. Trotzdem passiert es in unseren Breiten nicht selten, dass der Trollexpress argwöhnischen Blicken, nicht selten sogar von Campingfreunden, ausgesetzt ist. Nach dem Motto: "Da fährt einer etwas, das größer, höher und breiter als mein Fahrzeug ist. Und das geht ja nun mal garnicht!" Wohl eine Mentalitätsfrage in manchen Kreisen.
Hier im Norden achtet man sehr auf Gleichheit unter den Menschen. Materielle Dinge stehen viel weniger im Fokus als bei uns in Deutschland. Angeberei kommt in allen skandinavischen Ländern äußerst schlecht an. Und sehr schnell bekommt man hier mit, ob jemand herumprotzen will. Ein Fahrzeug-Oldtimer, dazu noch ein klar als ehemalige Feuerwehr erkennbares Reisemobil, wird dagegen allerorts als positiv und willkommen empfunden. Das Dekor unseres Fahrzeugs tut den Rest. Sitzen da oben auch noch Leutchen an Bord, die freundlich lächeln und sich auch fahrtechnisch zu benehmen wissen, stimmt die Chemie innerhalb weniger Sekunden. Irgendwie scheinen auch alle sofort zu wissen, dass die beiden, dieses Fahrzeug in vielen Stunden akribischer Kleinarbeit mit eigenen Händen aufgebaut haben. Auch das wird gewürdigt und schon ist alles gesagt, was sowieso keiner Worte bedarf. So geschieht es am Straßenrand, bei der Ankunft auf Campingplätzen bei Begegnungen auf Fähren. Kommt dann auch noch Odin als freundlich mit dem Schwanz wedelnder Bordhund hinzu, ist jeder Damm gebrochen.
Am Ende der Reise werden wir feststellen können, dass dies ausnahmslos so geschah.
Mit dem Trollexpress in Skandinavien unterwegs zu sein, ist fahrtechnisch anspruchsvoll. Was das Gefühl auf der Reise betrifft, ist es ein von Freundlichkeit und Rücksicht getragenes Dahingleiten, was einfach nur Spaß macht und möglichst nicht zu Ende gehen möge.
So gelaunt und getragen vom schönen Wetter cruisen wir die Küstenstraße weiter in Richtung Süden. Mittlerweile haben wir auch kein mulmiges Gefühl mehr, was die technischen Risiken unseres 33-jährigen betrifft. Er schnurrt bereitwillig vor sich hin. In Vennesund steht die nächste Fähre auf dem Plan. Nach kurzer Wartezeit legt sie an und wir können auffahren. Die Reise geht bei spiegelglatter See nach Holm. Dort finden wir eine nagelneu gebauten Fahranleger vor, der voll auf den elektrischen Betrieb der Fähren ausgelegt ist. Pufferstationen gewährleisten, dass die Fähren in kürzester Zeit aufgeladen werden können. Alles wurde nicht einfach nur dahingepflanzt, sondern toll in ein völlig neu gestaltetes Konzept von Park- und Wartebereich für Passgiere inklusive hochmoderner Sanitäranlagen eingepasst. Selbstverständlich passend zum naturgegebenen Umfeld und mit typischen Baumaterialien der Region. Eigentlich viel zu schön, um einfach so weiterzufahren. Trotzdem tun wir es.
Der "17" bleiben wir nach wie vor treu. Sie wird hier gleichzeitig zum Holmsveien.
Die landschaftliche Schönheit bleibt und hält uns in ihrem Bann. Ihr Charakter wird im Laufe der Fahrt etwas schwedischer.
Wir finden einen kleinen, aber feinen Campingplatz, Eid Camping, direkt an einem See, der offenbar von einem Landwirt betrieben wird. Nennen wir ihn mal liebevoll Bauer Lindemann. Er hat sein schickes Anwesen in Sichtweite und hat uns ankommen sehen. Wir werden, wie nicht anders gewohnt, freundlich empfangen.
Ganze drei Wohnwagencamper stehen außer uns auf dem Platz. Keiner stört keinen. Die Sanitäranlagen sind einfach aber tipp-top sauber und völlig in Ordnung. Eigentlich sind es diese völlig einfachen und unkomplizierten Orte, die wir suchen und wo wir gerne bleiben. Umso mehr ärgert es uns, als wir im Bewertungsportal des Platzes einen völlig destruktiven Eintrag eines Radfahrers finden, der vor einigen Wochen hier war und der alles vorgefundene pauschal niedermacht. Er zieht über die einfache Ausstattung her und lässt kein gutes Haar am Eid Camping. Spontan entschließen wir uns eine saubere 5-Sterne-Bewertungen hinzuzufügen. Wir haben bereits jetzt genug vom schönen Platz und dem gepflegten Umfeld gesehen, um eine solche Bewertung verfassen zu können. Auch "Bauer Lindemanns" spontane Gastfreundschaft hat uns gefallen und wir denken, er hat jegliche Unterstützung verdient. Wenige Tage später bekommen wir über Google Bescheid, dass unsere Bewertung bereits über 500-mal gelesen wurde. (Bis 6.1.2025 übrigens dann schon 17.886 mal !!!) Das freut uns diebisch und wir hoffen, dass dem missgelaunten Radler damit der Wind aus den Segeln genommen wurde.
Am recht späten aber noch hellen Abend unternehmen wir noch eine kleine Wanderung in die Umgebung. Odin läuft frei und plötzlich kriegt Conny ihn zu Gesicht. Nicht Odin, sondern ihn, den schon lange Herbeigesehnten. Sie kann für den Moment eines Wimpernschlages am gegenüberliegenden Dickicht einen stolzen Elchbullen ausmachen. Die Zeit bis dieser wieder aus den Sichtfeld verschwindet, reicht nicht einmal aus, um mir zu signalisieren, doch dort mal hinzuschauen. Als ich schalte sind nur noch Blätter, aber kein Elch mehr zu sehen. Selbst Odin, sonst der Spürhund vor dem Herrn, hat nichts von dem Ganzen mitbekommen. Im entscheidenden Moment war er damit beschäftigt Hasenkötteln und Mäusen nachzuschnüffeln, anstatt den König Skandinaviens zu bewundern oder gar zu jagen.
Nach unserer Rückkehr auf den Campingplatz bleiben uns noch ein paar schöne Stunden bei einer Flasche Wein. Die Sonne verschwindet kurz nach 22.00 Uhr hinter den Bergen. Langsam wird schon ein Unterschied gegenüber den langen Tagen oberhalb des Polarkreises deutlich. Wir merken nicht nur an der Vegetation, dass wir in Richtung Süden unterwegs sind.
Schließlich haben wir ja erst den 15. Juni, also immer noch 5 Tage bis zur Sommersonnenwende.
Sonntag, der 16.6.2024
Es geht eigentlich gar nicht. Einfach an Trondheim vorbeizufahren. warum es dazu gekommen ist, kann im Nachhinein keiner von uns beiden mehr sagen. Vielleicht war es einfach nur der "Kulturschock", der uns ereilte, nachdem wir in Steinkjer die Küstenstraße Fv17 verlassen hatten, die wir die letzten 650 Kilometer bei bestem Wetter wirklich genossen hatten. Kurze Zeit wurden wir auf die Europastraße 6 gespült. Dazu auch noch zum Wochenendausflugsverkehr um den Großraum Trondheim herum. Vermutlich war es das Zusammentreffen all dieser Punkte, die uns instinktiv dazu bewogen haben, Trondheim auszulassen. Vor einigen Jahren waren wir auch schon einmal dort, hatten uns aber auch damals kaum Zeit gelassen, um die Stadt und Ihre Sehenswürdigkeiten mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Aber schließlich sind ja alle guten Dinge bekanntlich drei. Grund genug irgendwann vielleicht alles nochmal nachzuholen. So machen wir an diesem Sonntag erstmal Strecke. Der Entschluss Thomas Baumbach, sozusagen den Kälberfelder in Norwegen zu besuchen, hatten wir zwischenzeitlich auch gefasst. Kristiansund lag noch vor uns. Ein weiterer Wegpunkt, den wir nicht auslassen wollten. Und wieder einmal hetzten wir uns selbst, obwohl das gar nicht nötig gewesen wäre. Auf einem Rastplatz entlang der E6 haben wir eine unerwartete Begegnung.
Der Trollexpress mit seinen 33 Lebensjahren trifft auf seinen Urururenkel. Ein Prototyp des Atego mit Elektroantrieb. Der Kollege, der damit unterwegs ist, erzählt uns, dass die E6 hier eine Art Teststrecke für diese Fahrzeuge ist. Es gibt mehrere Schnellladestationen, an denen die LKWs in kürzester Zeit wieder aufgeladen werden können. Also ist Norwegen auch auf diesem Sektor wieder auf der Überholspur. Wer hätte es anders vermutet.
Nach einer kurzem Fachgeplänkel über unsere beiden Fahrzeuge geht es für uns weiter.
Bei der Recherche nach einer Zwischenübernachtung stoßen wir etwas abseits das Strecke auf Trånsåvika Camping, was uns bis hierher nicht viel sagt. Schon die Begrüßung ist einmal mehrfreundlich, unkompliziert, nordisch eben. Der ältere Herr da an der Rezeption gibt uns Tipps, wo wir gut stehen könnten. Als wir uns den vorgeschlagenen Platz anschauen, sind wir begeistert. Direkt am südlichsten Ausläufer des Trondheimfjords. Eine Lage wie im Märchenbuch. Das haben auch einige junge Leute aus dem naheliegenden Ort erkannt und feiern heute, am Sonntagabend, fröhlichen Wochenendabschluss. Skandinavisch fröhlich, gleichzeitig aber auch so, dass sie keinen stören. Auch hier hätte man es gut und gerne weit länger aushalten können, ganze 36 km von Trondheim entfernt und doch schonwieder an einem einsamen Plätzchen.
Nicht nur die naturgegebenen Bedingungen sind wunderschön. Ein kleiner Spaziergang um die kleine Bucht lässt uns ein beachtliches Bauwerk entdecken. Sicher noch nicht ganz fertig, aber eine Wohnlage, die auch im unfertigen Zustand schon einiges verspricht.
365 Tagen im Jahr Blick auf den Trondheimfjord. Kaufen kann man es mit einem normalen Geldbeutel sicher nicht.
Immobilien in Norwegen und dann noch in dieser Lage bewegen sich mit Sicherheit im hohen 6-stelligen Eurobereich.
Wir nehmen vorerst Abstand vom Kauf des Objektes, behalten uns aber zukünftiges Interesse vor.
Im Hinterkopf haben wir schon wieder unsere Weiterreise. Wir waren eben auch hier schon irgendwie auf der Rückreise. Nach wie vor kämpft das Teufelchen "Am liebsten möchten wir hier garnicht mehr weg." mit dem Engelchen "Irgendwann müssten wir schonmal wieder zu Hause aufschlagen."
Montag, der 17.6.2024
So verlassen wir auch diesen schönen Ort schon am nächsten Tag wieder, um unserem nächsten Abenteuer entgegenzufahren. Unsere Straße heißt Viggjavegen und führt uns nach wenigen Kilometern auf die E39. Von Oranger bis nach Christiansund sind es stolze 150 km. Da wir uns ja immer noch in Norwegen bewegen und sowieso keine Autobahngeschwindigkeit vorlegen, was uns ja recht kommt, sollten wir so um den frühen Nachmittag in Kristiansand sein. Viele Brücken zu den unterschiedlichsten Inselchen werden uns begegnen. Wir werden die Grenze zwischen Møre og Romsdal und dem südlich angrenzenden Trøndelag passieren und mit der Fähre von Halsa nach Kanestraum übersetzten. Was liegt näher als aus Kanestraum ein "Kannes Traum" zu machen. Von uns völlig unbemerkt bleibt allerdings, dass etwas südlich unserer Strecke das Tollheiten Mountain Gebiet liegt, welches wiederum als Heimat unseres Trollexpress angesehen werden könnte. Bei Bergssøja mündet die FV70 auf die E39 und führt uns direkt nach Kristiansund. In Kristiansand und seinen umliegenden Siedlungsgebieten leben rund 24.400 Einwohner. Auch Kristiansand wurde 1940 von deutschen Fliegerangriffen fast vollständig zerstört. Rund 800 Gebäude brannten nieder, weshalb es in der alten Kernstadt heute kaum noch Holzhausbebauung gibt. Nach Kriegsende wurde die Stadt wieder aufgebaut. Nach wie vor ist der Fischfang Haupterwerbsquelle des Ortes. Auch als Verkehrsknotenpunkt hat Kristiansand eine große Bedeutung. Die hier entlangführende Atlantikstraße gilt bei vielen Touristen und in zahlreichen Reiseführer als die schönste Reisestraße der Welt. Zahlreiche Museen und Sehenswürdigkeiten machen Kristiansand zu einem interessanten Städtchen. Ganz im Nordwesten des aus 4 Inseln bestehenden Stadtgebietes führt der Atlanterhavstunnel mit 5.779 Meter Länge unter dem Meer hindurch zur Insel Averøy. Sein tiefster Punkt liegt mit rund 250 Metern unter der Meeresoberfläche. Für alle die fest an die Haltbarkeit solcher Bauwerke glauben, an dieser Stelle die Information, dass es währen des Baues zwischen 2006 und 2009, im Jahre 2008 durch einen Bruch an seiner tiefsten Stelle um eine Verzögerung der Fertigstellung um ein ganzes Jahr kam. Nach Sicherung der Bruchstelle scheint der Tunnel bis heute stabil zu sein. Wir wussten das vor unserer Tunnelpassage nicht, sondern haben es erst im Zuge der Recherche zu unserer Reiserute im Nachhinein erfahren. Wären wir sonst trotzdem hindurchgefahren? Sicherlich schon, jedoch mit einem noch mulmigeren Gefühl, als es uns so schon beim Durchfahren solcher Bauwerke ereilt. Auch hier wieder das Erlebnis wie am Nordkaptunnel: Erst ein Gefälle von reichlich 10%, dabei als ständiger Begleiter der Geruch von heißen Bremsbelägen und qualmenden Kupplungsscheiben. Als es dann wieder nach oben geht, muss der dritte und am Ende sogar der zweite Gang ran, es sei denn, man hat gleich die Geländeübersetzung gewählt. Anhalten und Umschalten am tiefsten Punkt? Wenig empfehlenswert, da man den Verkehr am Tiefenwendepunkt nicht vorhersehen kann. Auf jeden Fall wieder ein erlösendes Gefühl, als das Ende der Steigung und damit der Tunnelausgang nach einigen Minuten erreicht ist. Die Tour über Averøy für uns in südwestliche Richtung und zweigt dann Auf die Fv257 ab. Ortsnamen sind hier kaum noch vergeben. Einzig kleine Siedlungshaufen, die sicher jeweils einen eigenen Namen haben aber die auf keinem Ortsschild stehen säumen unseren Weg. Die Brücke über den Åkviksundet ist kaum 200 Meter lang, jedoch so schmal, dass bei unserer Spurbreite rechts und links kaum 10 cm bleiben, um sie zu befahren. Konstruktiv vertrauen wir einfach mal wieder darauf, dass die Norweger schon wissen werden, was sie tun, denn auch Müllautos, Busse, Traktoren und einheimische LKWs müssen sie ja befahren. Warum sollte sie da unseren 11 Tonnen nicht standhalten. Ein Schild, was über die zulässige Gesamt- oder gar die Achslast Auskunft geben könnte, wie bei uns in Oda Germany? Fehlanzeige. Unser Freund Sven hatte uns vor dem Brücklein gewarnt und für uns gehofft, dass die Spurbreite ausreicht. Jetzt wussten wir es selbst. Spurbreite ok. Belastbarkeit gegeben. Irgendwie waren wir schon hier, einige Kilometer vor dem beschriebenen Campingplatz Skyrneset Bryggecamping recht aufgeregt, da wir hier, am Ende der Welt einen Kälberfelder treffen sollten. Kaum zu glauben. Noch ein Stückchen die Küstenstraße entlang, dann rechts abbiegen und da war der ominöse Platz, der einerseits ein Campingplatz und im gleichen Atemzug eine Art Museum für Familiengeschichte, Seefahrt und Fischerei sein sollte. Und da war auch er, der "Exilkälberfelder".
Da auch unser Fahrzeug irgendwie unverkennbar zu sein schien, winkte er uns schon Weitem von der Terrasse das Haupthauses zu. Das konnte nur er sein, Thomas Baumbach, das verrückte Huhn mit dem ich als kleiner Junge im Kaninchenstall seines Opas gesessen haben. Und offenbar hatte auch unser Freund Sven unser Fahrzeug ausreichend gut beschrieben, um ihm unmissverständlich klar werden zu lassen, dass können nur Conny und Kanne mit dem Trollexpress sein. Mit Odin drei Kälberfelder, die sich nach ungezählten Jahren rund 2000 km von der Heimat entfernt Wiedertreffen. Es Folgte eine Begrüßung, als hätten wir uns nie aus den Augen verloren. Tatsächlich war ich damals kaum älter als 5 Jahre und Thomas vielleicht drei, als wir uns das letzte Mal begegnet waren. Kurz gerechnet: Vor 60 Jahren!
Für alle, die noch nie in ihrem Leben etwas von Kälberfeld gehört haben: Es ist ein klitzekleines Kuhdörfchen in Thüringen, dass am Fuße des durch Mythen und Sagen vielleicht etwas besser bekannten Hörselbergs, zwischen der Wartburgstadt Eisenach und der sicher auch nicht ganz unbekannten Residenzstadt Gotha liegt. Kälberfeld hat ein bekanntes und beliebtes Gasthaus, das "Gasthaus zum Bärenjäger", eine sehr schöne Kirche von besonderem Baustil, eine Tischlerei, einen Uhrmacher und eine Firma für Elektrotechnik/Elektronik. Wenn man alle Kälberfelder zusammenzählt, reden wir von 267 Einwohnern. Unter dem Strich also ein Punkt auf der Landkarte. Trotzdem ist es wie überall auf der Welt. Mag der Ort auch noch so klein und unbedeutend sein, für die, die dort geboren wurden und aufgewachsen sind ist es der Heimatort und somit etwas ganz Besonderes. Auch wenn Paris, Tokio und New York sicher bekannter sein mögen. Umso kleiner der Ort, desto verrückter, wenn Zwei, die ihn kennen, so viele Kilometer von daheim und so viele Jahre danach, sich durch einen unglaublichen Zufall wiedertreffen.
Wir werden mit großem Hallo und sehr herzlich von Thomas empfangen. Er begrüßt uns mit zwei riesigen Pots Cappuccino und einem frisch- und selbst gebackenem Brot. Erst viel später bemerke ich, dass Conny eigentlich alle Kaffeegetränke die Milch enthalten, sonst rigoros verschmäht. Diesen, sozusagen das Begrüßungsgetränk, schlürft sie, ohne zu murren herunter. Wenig später reicht Thomas auch noch reichlich selbstgefangenen Fisch, bereits fertig filetiert und küchenfertig nach. Offenbar hat er aber in den vergangenen Wochen schon so viel Fisch gegessen, dass er unsere Einladung zum Braten freundlich ablehnt. Er hat von Bekannten einen ganz speziellen Käse bekommen, auf den er sich schon tagelang freut und den er am Abend essen möchte. Thomas lässt uns, wie hier im Norden üblich, unseren Standplatz selber aussuchen.
Wir machen kein langes Federlesen und bleiben direkt an der Wasserkante mit herrlichen Blick auf die vorgelagerten Inselchen stehen. Beim Benutzen unserer Einstiegsleiter müssen wir darauf achten, nicht zu stolpern, denn auf diesem Wege würden wir direkt in den Fluten des Nordmeers landen.
Der Standplatz ist für uns traumhaft und einmalig.
Kurz nach der Begrüßung durch Thomas treffen wir mit großem Hallo auch unsere beiden, bereits vor mehreren Wochen kennengelernten Hessen, Beate und Gerd wieder, die uns genau diesen Platz als Traumplatz für Angler empfohlen hatten. Zwar hatte ich mir den Namen des Ortes damals aufgeschrieben, jedoch den Zettel mit der Notiz kurze Zeit später versiebt. Gerd war zwischenzeitlich einige mal zum Angeln herausgefahren und bekam keinen Fisch mehr in sein Gefrierfach. Alles voll. Ähnlich wie beim Pilze sammeln, wenn dir die mitgebrachten Beutel ausgehen.
Nicht nur, dass wir Leute uns auf Anhieb verstehen, auch unsere Hunde freuen sich. Odin lernt Ludwig kennen. Ludwig Baumbach. Ja was für eine Rasse ist er eigentlich? Da müsste ich Thomas selber fragen. Vielleicht weiß er es ja. Ludwig hat auf dem Campingplatz ein Traumleben. Rumlaufen, bellen, toben wann und wie es ihm gefällt. Eine Leine? Ja daran kann man Wäsche aufhängen. Sicher dient sie aber nicht dazu, einen Hund dran anzubinden. Ludwig würde sich sehr wundern, wenn es jemand bei ihm versuchen würde. Und wenn es ihm reicht....einfach schlafen.
Thomas hat sich über die Corona-Zeit auch einen Reisemobil aufgebaut. Eine Mischung aus Norwegen, und Karibik. Geräumig, gemütlich, hier und da spartanisch und gleichzeitig mit etwas Luxus. Einfach nur ein Unikat. Technisch wie alle Eigenbauten sicher an einigen Stellen noch verbesserungsfähig, aber bisher ist er immer gut gefahren.
Thomas zeigt uns zum Abschluss des aufregenden Tages noch das Haupthaus oder besser gesagt das Museum des Platzes. Uns bleiben Mund und Nase offenstehen. Was wir hier an gesammelter Familien- und Fischereigeschichte zu sehen bekommen, ist einzigartig. Drei Etagen aus vielen Jahrzehnten. Nicht wissenschaftlich geordnet, aber unendlich beeindruckend. Gleich beim Betreten des historischen Gebäudes fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. Gleich vorne begrüßt den Gast die kleine Rezeption des Platzes. Nebenan das Büro von Chef und Chefin. Beide, Geir wie Thorhild sprechen sehr gut deutsch. Der Großteil der Campingplatzbesucher scheint aus dem deutschsprachigen Raum zu kommen. So konzentriert wie hier hatten wir das bisher nicht erlebt. Zwar trafen wir an den Hauptstrecken schon schwerpunktmäßig Urlauber aus Deutschland und den angrenzenden Ländern, aber hier, sozusagen auf den äußersten Zipfel des Nordmeeres, hätten wir mehr oder weniger Einheimische vermutet. Schon bald merken wir aber, dass es ein Platz der Insider ist. Beworben durch Auskenner wie Gerd und seine Frau Beate aus Hessen, die schon mehrfach hier waren und die uns den Ort schon Tage vor unserer Ankunft, unabhängig vom eigentlichen Grund unseres Hierseins, empfohlen hatten. Die meisten sind offenbar zum Meeresangeln im Nordmeer hier. Und das, zwar etwas abhängig von der Jahreszeit, mit sehr gutem Erfolg. Nun aber zurück ins Haupthaus.
Das Überraschende: Die untere Etage ist in vielen Räumen noch so ausgestattet, wie es vor vielen Jahren in Norwegen und speziell bei Fischerfamilien üblich war. Hier ist zwischenzeitlich nichts "modernisiert" oder "auf neu getrimmt" worden. Die Gäste des Campingplatzes können die Räume jederzeit nutzen. Entweder als bloßer Aufenthaltsbereich oder etwa zum Kochen und anschließenden gemütlichen Speisen, sollte das Wetter draußen mal nicht so verlockend sein. Saubere Toiletten im Stil längst vergangener Jahre stehen zur Verfügung. An den Wänden hängen Gemälde mit ortstypischen Motiven, die vor allem das Leben der Fischer und Seefahrer zeigen. Ich benutze bewusst das Wort "Gemälde", denn fast alle sind handgemalte Bilder, teilweise im Stil von Caspar David Friedrich.
Historische Möbel und zahlreiche ebenso historische Gebrauchsgegenstände schaffen ein einzigartiges Ambiente. Gleich an die Wohnräume angrenzend erwarten uns die Räume, in denen noch bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts der Fisch verarbeitet wurde und die, in denen die Fischer untergebracht waren.
Eine Treppe höher, sozusagen im Speicher des Gebäudes erleben wir alles, was damals, vor gut 100 Jahren, fast bis heute, dem Fischfang und der Seefahrt diente. Angefangen von Fischernetzen, über Bojen, Seilen und Reusen bis hin zu erstem elektrischem Zubehör und historischen Navigationsgeräten ist alles vertreten, was sowohl technisch wie historisch interessant ist. Stunden, wenn nicht Tage könnte man hier zubringen, um in diesem lebendigen Museum alles zu begutachten was aus vergangenen Zeiten geblieben ist. Dazwischen immer wieder echte Gemälde, die zum Teil von Angehörigen der Familie geschaffen wurden und die für uns als Laien ein beachtliches künstlerisches Niveau haben.
Ganz oben unter dem Dach erwartet uns eine weitere Besonderheit. Es ist ein Tisch von beinahe königlicher Länge. An jeder Seite der Tafel fänden gut und gerne 30 Personen Platz, was zusammen je bekanntlich 60 macht. Genau haben wir die Plätze nicht nachgezählt aber die Zahl wird in etwa stimmen. Laut Thomas hat hier im historischen Ambiente vor Jahren sogar mal eine Hochzeitsgesellschaft ihre Feierlichkeiten abgehalten, was sicher ein unbeschreibliches Erlebnis für den so oft beschriebenen "schönsten Tag im Leben" darstellt.
Viel zu wenig Zeit haben wir uns dagegen für die Besichtigung des hier Zusammengetragenen gelassen. Vor allen deswegen, weil uns die Zeitreise, die wir hier absolviert haben, erst später so richtig bewusst wurde. Alles Gesehene zu beschreiben, würde andererseits den Rahmen dieses kleinen Reisetagebuches sprengen. Man muss es wirklich mit eigenen Augen gesehen haben. Die Krönung des viel zu kurzen Rundganges kommt so richtig erst dann, wenn Thomas auch noch sein Seemannsgarn mit in die Waagschale wirft. Dann wird es erst richtig interessant.
Von Staunen über den kalten Grusel, der einem über den Rücken läuft, bis hin zum schallenden Lachen weckten diese Geschichten x-mal einfach nur Kopfschütteln im positiven Sinne. Wen es hierher verschlägt, der sollte sich wirklich Zeit für dieses Gebäude und die Menschen, die bis heute darin leben und arbeiten nehmen. Und angelt Euch den richtigen Führer für diese Zeitreise in die Geschichte Norwegens und seiner Bewohner. Thomas Baumbach, den Kälberfeldkenner vor dem Herrn, der seine Sommer hier verbringt und eine Mischung aus guter Seele des Platzes und einem waschechten norwegischen Troll ist.
Lasst euch nicht täuschen. Thomas hat einen Hund. Normal haben Trolle keine Hunde. Dieser schon und sein Hund heißt Ludwig. Baumbach mit Nachnamen, so wie sein Herrchen. Unser Odin hat viel mit ihn herumgetobt. Das Temperament Ludwigs ist jedoch grenzenlos, so dass Odin zwischenzeitlich auch mal eine Auszeit brauchte. Generell genießen Hunde auf Skyrneset Bryggecamping alle Freiheiten, die man sich für seinen Vierbeiner vorstellen kann. Leinenzwang? Ja das ist was für frisch gewaschene Unterhosen. Nicht aber für die Hunde auf diesem traumhaften Plätzchen an der rauen Westküste Norwegens.
Dienstag, der 18.6.2024
Thomas und ich haben uns für den heutigen Tag einen Angelausflug mit dem Motorboot vorgenommen. Das Wetter passt gut. Ein schwacher Wind weht zwar aber der gefährdet unser Vorhaben nicht. Sogar die Sonne scheint bei unserer Abfahrt und so liegt die Bucht blau und verlockend vor uns. Obwohl auch wir auch passendes Angelequipment mit dabeihaben, stellt Thomas heute nebst Boot auch die Ausrüstung. Conny bleibt lieber bei Odin an Land, um im Notfall den norwegischen Küstenschutz alarmieren zu können. Thomas und ich springen ins Boot und schon geht es los.
Mit einem zünftigen "Vorwärts immer! Rückwärts nimmer!", wo immer er diesen Spruch her hat 😂, dreht Kapitän Thomas am Gasgriff. Das Boot bäumt sich auf und wir stechen in See. Zunächst macht er eine kleine Runde zu den in einiger Entfernung fischenden Anglerkollegen. Er versucht von ihnen eine Makrele zu ergattern um gleich mit der Königsdisziplin: Angeln auf Heilbutt, loszulegen. Leider hat Gott Petrus, Schutzheiliger der Angler und Fischer, heute noch keinem Kollegen einen solchen Fisch an die Angel gehängt. Auch sonst scheinen die feuchten Scheißerchen heute nicht in so guter Beißlaune zu sein.
Ja, der eine oder andere hat wohl schon mal einen Biss gehabt, gefangen hat aber bisher keiner etwas. Thomas beschließt aus diesem Grund gleich in sein, wie er es bezeichnet " Wohnzimmer" zu fahren. "Dort fangen wir immer was. Du wirst schon sehen!" teilt er mir voller Optimismus und Tatendrang mit.
"Das Wasser ist hier in der Bucht ruhig und wir müssen nicht raus aufs offene Meer" erklärt Thomas," ich habe keine Lust, mich da draußen durchschaukeln zu lassen." So gibt er Gas und wirft wenige 100 Meter von unserer jetzigen Stelle entfernt den steinernen Anker. "Hier ist es 63 Meter tief!" Ich messe nicht nach, aber anhand der Seillänge, die im Anschluss im Wasser verschwindet, könnte es so sein. Wir werfen die eigentlich ja köderlosen Angeln aus. Besser gesagt lassen sie neben dem Boot ins Wasser. Das Grundblei zieht die Schnur mit den fünf Haken in die Tiefe. Die Angelhaken sind lediglich mit kurzen, roten Isolierschlauchstückchen versehen. Das kennen ich bereits aus vorangegangenen Angeltouren hier im Norden. Zum Meeresangeln ist nicht unbedingt ein richtiger Köder erforderlich. Die Fische sind neugierig genug, um auf diese, im Wasser wackelnden Farbfleckchen loszugehen. Nicht selten hakt sich auch ein Fisch irgendwo am Körper fest, wenn man die Schnur durch einen Schwarm nach oben zieht. Ebenso passiert es, dass sich beim Einholen der Schnur nicht nur einer, sondern bis zu 5 nasse Brüder gleichzeitig verhaken. Ganz so wild passiert es heute jedoch nicht. Einige Male ziehen Thomas und ich die Schnur Meter für Meter nach oben, ohne dass das ersehnte Ergebnis daran hängt. Zwei, drei kurze Standortkorrekturen, nur wenige Meter nach rechts und nach links und nach vielleicht 20 Versuchen, spüre ich das bekannte und ersehnte Zappeln am Ende der Schnur. Je höher ich das Blei mit den Haken ziehe, desto härter wehrt sich am anderen Ende jemand gegen mein Ansinnen. Mit einem fröhlichen "Hoho, da sind sie ja, meine Freunde!" begrüßt Thomas einen der ersten Seelachse in diesem Jahr an meiner Angel. "Das ist dieses Jahr der erste, den jemand rauszieht. Die kommen nämlich jetzt erst in die Bucht. Und wenn erst einer da ist, sind auch noch mehr da. Also weiter gehts und Petri Heil!" Nun geht es fast Schlag auf Schlag.
In wenigen Minuten ziehe ich 5 stattliche Gesellen aus den Fluten. Darunter auch zwei Schellfische. Thomas fängt leider nur einen, was ihn aber nicht griesgrämig stimmt, denn die richtige Fangsaison steht erst noch bevor. " Und da gehts hier ab, dass du mit dem Rausholen manchmal nicht mehr nachkommst!" verspricht er.
Plötzlich ruft Thomas:" Und nun können wir aufhören! Schweinswale! Überall Schweinswale!"
Ich sehe leider keinen einzigen. "Wenn Schweinswale in die Bucht kommen, beißt kein Fisch mehr. Da sind alle auf der Flucht oder gehen in große Tiefen." erklärt er. Später erfahren wir von seinen Anglerkollegen, dass es wohl weit über 100 Stück gewesen sein sollen, die da plötzlich aufgetaucht sind. Auch keiner der anderen hat von diesem Moment an mehr etwas gefangen.
Wir machen uns auf den Heimweg. Ich bin mit der Ausbeute mehr als zufrieden. Drei Seelachse und zwei Schellfische, jeder gut und gerne 40-50 cm lang.
So viel habe ich in meiner ganzen Jugendzeit als Mitglied im Anglerverband nicht in Summe gefangen, wie hier in nicht einmal einer halben Stunde. Thomas ist mit seinem Einzelexemplar zufrieden. "Für ein köstliches Abendbrot reichts allemal. Ich werde in den folgenden Wochen hier noch so viel Fisch fangen und essen, dass es mir am Ende zu den Ohren herauskommt!" sagt er mit erfahrener Stimme und in Kenntnis dessen, was die Fangsaison noch bringen wird.
Am Ufer angekommen begrüßen uns Conny und Odin. Sie sind erstaunt über das, was wir da in der relativ kurzen Zeit aus dem Wasser gezogen haben. (Conny ist natürlich erstaunter als Odin, der die Ernährung mit Fisch bisher nicht kannte.)
Thomas und ich besprechen kurz die nun notwendigen Arbeiten. Ich frage vorsichtig an: "Zeigst Du mir, wie man richtig filetiert?"
Darauf Thomas:" Das mache ich dir selbstverständlich. Ich liebe filetieren!" Mit dieser Antwort hätte ich natürlich so nicht gerechnet, denn ich weiß, dass viele Leute zwar gerne Angeln, aber das, was danach kommt, lieber der Hausfrau aufbürden. Nach dem Motto: "Eine Minute doof gestellt, erspart nicht selten eine Stunde Arbeit. "Der Campingplatz hat selbstverständlich einen komfortablen Filetierplatz zum Verarbeiten der Fänge.
Bis vor wenigen Jahren kamen vor allem deutsche Angler nach Norwegen, um zentnerweise Fisch zu fangen um diesen dann tiefgefroren mit nach Hause zu nehmen. Dabei handelte es sich teilweise um Mengen, die einen Fischgroßhandel hätten versorgen können. Der norwegische Staat und die Fischereibehörden haben hier lange Zeit zugesehen und die Ausfuhrexzesse geduldet. Seit 2021 ist das anders. Pro Person dürfen "nur noch" 18 kg Fisch ausgeführt werden. Wenn man bedenkt, dass hier um küchenfertiges Filet geht, ist selbst das noch eine beträchtliche Menge. Da meist die ganze Familie mit dabei ist, wären das bei Mama, Papa und zwei Kindern stattliche 72 kg. Zusammen mit dem sowieso zu transportierenden Urlaubsgepäck, kann das so manchen Kleinwagen an die Grenze seines zulässigen Gesamtgewichtes bringen. Verstöße und Überschreitungen werden, sofern der Zoll es mitkriegt, mit empfindlichen Strafen belegt. Unsere 5 Fischlein hätten da eher Mitleid bei den Kontrollorganen erzeugt, als dass eine Gefahr der Mengenüberschreitung bedeutet hätte. Als wir am Filetiertisch an der Reihe sind, wir sind bei weitem nicht die Einzigen, die unsere Beute verarbeiten wollen, merke ich recht schnell, dass die Auskenner der Technik hier oben im Norden nicht geizen. Beim Zerlegen der Fische werden wirklich nur die besten und schönsten Stücke behalten. Der Rest geht als Futter für Möwen und Krebse direkt wieder zurück in die See. Ein klein wenig blutet mir dabei schon das Herz, denn ich hätte nicht so großzügig über Bord geworfen, um am Ende so viel Fisch wie möglich zum Verzehr übrig zu haben. Aber Thomas geht keck ans Werk. "Die Bauchlappen, besonders beim Schellfisch, die möchtest du nicht. Die Schmecken nicht." Was am Ende übrig bleibt, passt problemlos in unser klitzekleines Gefrierfach im Trollexpress. Die Portion für heute Abend, die wir garnicht erst einfrieren abgezogen, bleiben vielleicht noch 2 Kilo. Um auf die für uns beide erlaubte Menge von 36 kg zu können, hätten wir die Angel noch viele, viele Male auswerfen müssen.
Was das Ergebnis der großzügigen Filetierung jedoch betrifft, das erleben wir zum Abendessen.
Der so derart frisch gefangene und gebratene Fisch schmeck einfach nur traumhaft. Wir sind uns beide einig. Fisch in so schmackhafter Qualität haben wir noch nie im Leben gegessen. Den eingefrorenen Rest des Fangs nehmen wir tatsächlich mit nach Hause. Bis wir den verzehren dauert es noch eine kleine Weile. Auch er hat uns sehr gut geschmeckt. So toll allerdings, wie wenige Stunden nach dem Fang in Norwegen gebraten, war er nicht. Das nächste mal werden wir demzufolge wieder so viel wie möglich, so frisch wie möglich essen. Eine Rückkehr hierher ist deshalb Sehnsuchtsziel für 2025.
Immer schön neugierig bleiben.
Die Fortsetzung folgt.....
Unsere Reise geht noch bis zum 2. Juli 2024 weiter.
Freut Euch auf die traumhafte Atlantikstraße, den Jostedalsgletscher, die Gegend um Stryn, den Jotunheimen Nationalpark, Fjordnorwegen und den Sognefjord.
Weiter geht unsere Reise über Schwedens Südwesten, vorbei an Göteborg, über die Fähre von Helsingborg nach Helsingør, schließlich über die Øresund-und die Storebealtsbroen bis nach Veyers Strand in Dänemark.
Am Ende landen wir wieder in Thüringen, wo in einem kleinen Ort am Fuße des Hörselbergs der am weitesten gereiste Golden Doodle von Kälberfeld, Odin, unser cooler Reisehund wohnt!